Kampf dem Komponentenklau – dank künstlicher DNA

Rothenschirmbach, 29. Oktober 2013. Der Diebstahl von Modulen und Wechselrichtern ist zu einem ernst zu nehmenden Problem für Solaranlagenbetreiber geworden. Kraftwerksprojektierer GP JOULE ließ nun im 2012 errichteten Solarpark Rothenschirmbach eine Technologie installieren, mit deren Hilfe die Herkunft der Komponenten schnell und verlässlich ermittelt werden kann, vergleichbar mit der DNA bei einem Lebewesen. „Künstliche DNA“ wird darum das Produkt genannt, das dem Komponentenklau Einhalt gebieten soll. Rund 5400 installierte Module und 56 Wechselrichter wurden markiert, zusammen erreichen sie eine Leistung von 1,2 MW. Am heutigen Dienstag (29.) wurde das Verfahren bei einem Ortstermin im Solarpark nahe der Lutherstadt Eisleben (Sachsen-Anhalt) vorgestellt.

Bei der künstlichen DNA handelt es sich um eine durchsichtige Markierungsflüssigkeit. Diese kann auf Wertgegenstände (Bauteile von Solaranlagen aber auch Kupferkabel bei der Bahn oder landwirtschaftliche Maschinen) aufgebracht werden und macht diese unverwechselbar. Denn jede einzelne Markierungssubstanz ist mit einem individuellen DNA-Code und zusätzlich mit codierten Kunststoffplättchen, den sogenannten Microdots, ausgestattet. Die ausgehärtete Markierungssubstanz ist nicht entfernbar und mit bloßem Auge kaum wahrzunehmen, fluoresziert jedoch unter UV-Licht. Auf diese Weise werden der DNA-Code und die Microdots sichtbar.

Die Codierung ist in einer Sicherheitsdatenbank erfasst, auf die die Polizei jederzeit Zugriff hat. So können die von ihr sichergestellten markierten Gegenstände ihrem rechtmäßigen Eigentümer zugeordnet werden. Die Vertriebsfirma spectrum distribution mit Sitz im brandenburgischen Cottbus, die die künstliche Hightech-DNA des Herstellers SelectaDNA verarbeitet, ist von dem Verfahren überzeugt: Das Markierungsverfahren habe sich beim Einsatz an Gegenständen verschiedener Art seit Jahren bewährt und erleichtere so nicht nur die Polizeiarbeit nach erfolgter Straftat. Vielmehr mache die Markierung den Weiterverkauf des Diebesgutes unattraktiv, wenn nicht sogar unmöglich und darum für Kriminelle nahezu wertlos.

„Wir haben mehrere Möglichkeiten zur Überwachung, Kennzeichnung oder Schutz vor Einbruch in Erwägung gezogen“, erklärt Stefan Jensen, Projektleiter bei GP JOULE, dem Unternehmen, das bei dem Solarprojekt für Planung und Bau sowie jetzt auch für Wartung und Service verantwortlich ist. „Zur reinen Kennzeichnung der Komponenten halten wir die künstliche DNA für eine gute Lösung.“

Die Solarbranche ziehe mit der Polizei an einem Strang im Kampf gegen den Bauteileklau, heißt es bei GP JOULE. Das Problem hat bereits enorme Ausmaße angenommen: Für Schleswig-Holstein schätzen Versicherungsexperten laut Web-Portal „pv-magazine.de“, dass jeder zehnte Schaden an einer Photovoltaik-Anlage durch den Diebstahl von Komponenten verursacht wird. In Brandenburg geht der jährliche Schaden durch PV-Diebstahl Medienberichten zufolge in die Millionen. Deswegen wurde eigens eine Sonderkommission gegründet, die „Soko Sonne“.
Das bayerische Landeskriminalamt hat Sicherungsempfehlungen speziell gegen den Diebstahl von Photovoltakanlagen herausgegeben. Die enthalten u.a. auch den Rat, Bauteile individuell zu kennzeichnen oder mit einem Code zu versehen.

Rothenschirmbach,
Oktober 2013

Der Solarpark:
Der Solarpark Rothenschirmbach mit einer installierten Leistung von 1.225,44 kWp auf einer Fläche von gut sechs Hektar ist im Juni 2012 ans Netz gegangen. Betreiber ist die Solarpark Rothenschirmbach GmbH & Co. KG. Für Planung, Bau und Inbetriebnahme sowie für die laufende Wartung und den Service zeichnet GP JOULE verantwortlich.

Das Unternehmen:
Mit Energie gewinnen – unter diesem Motto entwickelt, plant und realisiert GP JOULE Projekte für die zukunftsträchtige Nutzung erneuerbarer Energien. Ziel der Unternehmensführung rund um  die Agrar-Ingenieure und Gründer von GP JOULE Ove Petersen und Heinrich Gärtner sowie den Betriebswirt André Hirsch ist es, Land und Wirtschaft miteinander zu verbinden, um Kapitalanlegern fruchtbare Investitionsperspektiven zu eröffnen. Neben den Geschäftsfeldern Solarenergie, Windkraft und Biomasse bündelt die Unternehmenssparte Zukunftskonzepte das Knowhow der Energieexperten zu ganzheitlichen Lösungen und widmet sich der Erforschung neuer Technologien.
GP JOULE ist heute mit vier Standorten in Nord- und Süddeutschland sowie zwei internationalen Standorten in den USA und Kanada vertreten. Der Hauptsitz ist in Reußenköge in Nordfriesland.