Offener Brief an Ilse Aigner

Sehr geehrte Frau Ministerin, 

mit dem bayerischen Energiedialog wurde eine sinnvolle Plattform geschaffen, die Beteiligten der Energiewende an einen Tisch zu holen. Theoretisch. Tatsächlich wirkt das gesamte Verfahren auf uns eher intransparent. Warum wurden so wenig Vertreter bayerischer Unternehmen aus der Energiebranche involviert? Gerade im Bereich der Versorgungssicherheit verwundert uns die Einschätzung der Potenziale der Speichertechnologien bzw. das mangelnde Vertrauen in deren Leistungs- und Marktfähigkeit: „Erneuerbare Energien auszubauen allein reicht nicht, solange noch keine Speichertechnologien das ganze Jahr zur Verfügung stehen"?

Wir sind derselben Meinung, dass der Ausbau Erneuerbarer Energien allein nicht reicht. Aber: Als national wie international erfolgreich tätiger Projektierer von Erneuerbare-Energien-Anlagen sowie als Entwickler von innovativen Speichertechnologien mit Sitz im bayerischen Buttenwiesen sind wir der festen Überzeugung, dass Energiespeicher einen wichtigen Beitrag zur vollumfänglichen Gewährleistung der Bedürfnisse von Bürgern und Gewerbe nach Energiedienstleistungen leisten können und werden!

Leider wurden offenbar eine ganze Reihe an renommierten Experten und Unternehmern, die sich mit den Potenzialen und Perspektiven innovativer Energiekonzepte und Speichersysteme intensiv auseinander setzen, nicht zu den Sitzungen des Energiedialogs Bayern eingeladen. Aus unserer Sicht wurde damit die wertvolle Chance, bayernweit einen breiten gesellschaftlichen Konsens über die notwendigen Maßnahmen zur Sicherung des Erfolg der Energiewende im Freistaat herstellen zu können, teilweise verspielt.

Zugegeben: Bayern steht vor der großen Herausforderung, die Energieversorgung im Zuge des Ausstiegs aus der Kernkraft neu zu ordnen und zu organisieren. Zurzeit basieren noch rund 50 Prozent der bayerischen Stromversorgung auf Kernenergie. Die durch die Abschaltung der KKW entstehende „Stromlücke“ kann bis 2022 sicher geschlossen werden. Die dazu aus unserer Sicht einzig sinnvolle, vielleicht sogar einzig verbleibende Möglichkeit dies kostengünstig und sozialverträglich zu realisieren ist ein massiver Ausbau der Erneuerbaren-Energien. Darüber hinaus sind Rahmenbedingungen zu schaffen die dazu führen, dass die Betriebskonzepte für Anlagen dann optimal sind, wenn sie volkswirtschaftlich den größten Nutzen bringen. Diese Strategie ist zudem nahezu klimaneutral und reduziert den Bedarf an Importen durch die Nutzung unserer bayerischen Ressourcen; Sonne, Wind, Hand und Hirn!

Bereits im Mai dieses Jahres geht das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld mit einer Leistung von 1.345 Megawatt vom Netz. Die zukünftige Nachfrage nach Elektrizität muss sicher sein. Für diese Aufgabe dürfen wir nicht auf klimaschädliche, wirtschaftlich zu unflexible konventionelle Kraftwerkstypen und den Neubau von Höchstspannungsleitungen setzen. Erneuerbare Energien und dezentrale Speichertechnologien sind mittlerweile so ausgereift, dass sie bis zum vollständigen Atomausstieg 2022 gemeinsam mit flexiblen gasbefeuerten Kraftwerken die zuverlässige Energieversorgung im Freistaat sichern können. Schon heute werden Speicher für die Gewährleistung der Systemsicherheit bereits lokal und regional kommerziell erfolgreich genutzt – insbesondere in Regionen mit einem extrem hohen Anteil an fluktuierender Einspeisung ins Verteil- und Hochspannungsnetz.

Als kosteneffiziente Flexibilitätsoption tragen Speicher aktiv dazu bei, die finanziellen Belastungen für die Verbraucher zu begrenzen. Denn bei den Kosten für die Energiewende dürfen wir nicht nur den Strommarkt allein betrachten, auch der Wärme- und der Mobilitätsmarkt spielen eine immer wichtigere Rolle. Leider wurden auch in den Sitzungen des Energiedialogs Bayern die zentralen Fragestellungen fast ausschließlich aus einer Stromsystem zentrierten Perspektive diskutiert. Dabei ist es dringend an der Zeit, aus einer reinen Stromwende endlich auch eine Wärmewende, eine Mobilitätswende, eine Effizienzwende und damit eine wirkliche Energiewende zu machen. Das gesamte Energiesystem und die dazu gehörigen Märkte müssen integriert gedacht und gestaltet werden. Schon heute ist es möglich, auf intelligente Weise erneuerbare Energien in allen diesen Teilmärkten effizient und klimafreundlich zu nutzen, fossile Energieträger abzulösen und dabei ein gewaltiges Potenzial an regionalem Mehrwert zu heben.

GP JOULE und sein Tochterunternehmen H-TEC SYSTEMS entwickeln Technologien , die Strom aus regenerativen Quellen in Form von Wasserstoff speichert und bei Bedarf beispielsweise wieder in Biogasanlagen rückverstromt oder den Wasserstoff im Wärme- oder Mobilitätsmarkt sowie für Industrieanwendungen einsetzbar macht. Für die Weiterentwicklung der Wasserstoff-Elektrolyse haben wir uns ehrgeizige Ziele gesteckt: Bis 2020 soll die Jahresproduktion bei über 10 Megawatt Leistung liegen – damit können mehr als 6.000 Haushalte mit Strom versorgt werden. Ziel ist, die Kosten für die Umwandlung von Strom in Wasserstoff auf unter 2 Cent je Kilowattstunde zu senken.

Durch den Einsatz der dezentralen Erzeugung und Speicherung von regenerativer Energie binden wir die Wertschöpfung in Bayern und machen uns unabhängiger von Importen aus Norddeutschland und dem Ausland. Der Technologie- und Wirtschaftsstandort Bayern und erhält sich langfristig dadurch Vorsprung und neue Impulse. Denn gerade im Zuge der entstehenden neuen Geschäftsmodelle im Kontext von Digitalisierung und Industrie 4.0 spielt die dezentrale Erzeugung und Speicherung von regenerativer Energie eine wichtige Rolle: So können Industriebetriebe beispielweise direkt mit erneuerbarer Energie, die in unmittelbarer Nähe erzeugt wird, beliefert werden – zu Preisen, die unter denen für herkömmlichen klimaschädlichen „Graustrom“ liegen. Das reduziert nicht nur den Bedarf an zusätzlichen Stromnetzen und konventionellen Energieträgern, sondern erhöht auch die Attraktivität des Standorts Bayern für Unternehmen.

Doch um das volle Potenzial der Speichertechnologie und erneuerbaren Energien ausschöpfen zu können, brauchen wir verlässliche Rahmenbedingungen. Die 10H-Abstandsregelung für Windenergieanlagen steht diesem Ziel vollständig entgegen. Eine gravierende Markteintrittsbarriere für dezentrale Speicher stellt zudem dar, dass zwischengespeicherte Energie teilweise doppelt mit Steuern und Abgaben belastet wird.

Gerne möchten wir mit Ihnen über diese und weitere Themen im Kontext der Herausforderungen und Chancen der Energiewende in Bayern in Dialog treten.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Gärtner & Ove Petersen
Gründer und Geschäftsführer
GP JOULE GmbH

Über GP JOULE:
Mit Energie gewinnen – unter diesem Motto entwickelt, plant und realisiert GP JOULE Projekte für die zukunftsträchtige Nutzung erneuerbarer Energien. Ziel der Unternehmensgründer und Agrar-Ingenieure Ove Petersen und Heiner Gärtner ist es, Land und Wirtschaft miteinander zu verbinden, um Kapitalanlegern fruchtbare Investitionsperspektiven zu eröffnen. Neben den Geschäftsfeldern Solarenergie, Windkraft und Biomasse bündelt die Unternehmenssparte Zukunftskonzepte das Know-how der Energieexperten zu ganzheitlichen Lösungen und widmet sich der Erforschung neuer Technologien. GP JOULE ist heute mit vier Standorten in Nord- und Süddeutschland sowie drei internationalen Standorten in den USA und Kanada vertreten, der Hauptsitz liegt im nordfriesischen Reußenköge.