"eFarm" – echt nordisch

Innovatives Pilotprojekt: Wasserstoffmobilität in Nordfriesland

Mit Wind tankbaren Wasserstoff produzieren? Dass das geht, zeigt das Projekt „eFarm“ – das bisher größte grüne Wasserstoff-Mobilitätsprojekt in Deutschland. Im Kreis Nordfriesland, Schleswig-Holstein, wird mit dem Pilotprojekt eine Wasserstoff-Infrastruktur von der Erzeugung über die Verarbeitung bis zur Flottennutzung realisiert. Ziel dabei ist, ein gemeinschaftliches, nachhaltiges Wirtschaften mit erneuerbaren Energien in die Gesellschaft zu bringen. Im Verbund Wasserstoff produzieren, transportieren, verarbeiten und vermarkten. Ein ambitioniertes Vorhaben, das viel Knowhow, Fördermittel und Überzeugung erfordert – und gleichzeitig einen Meilenstein in Sachen Energiewende bedeuten kann. 

Fünf Produktionsstandorte in Nordfriesland machen aus Wind Wasserstoff.  

Das eFarm-Projekt stellt in Nordfriesland eine Versorgungssicherheit für 100 % grünen, regional erzeugten Wasserstoff aus Windstrom her und bereitet so allen Bürgern und Unternehmen, die sich ein Wasserstoff-Fahrzeug anschaffen wollen, den Weg. Was dafür nötig ist? 

  • Fünf Wasserstoffproduktionsstandorte (1,125 MW Gesamtleistung) an Windparks 
  • Zwei Wasserstoff-Tankstellen in Husum und Niebüll 
  • Zwei Brennstoffzellenbusse für den Linienbusverkehr 
  • Dreißig Brennstoffzellen-PKWs 

Startschuss in Bosbüll

Anfang April 2020 fiel in Bosbüll der Startschuss für den 1. Bauabschnitt des eFarm-Projektes: Um den hier produzierten Windstrom in speicherbaren Wasserstoff umwandeln zu können, werden hier zwei der insgesamt fünf Elektrolyseure errichtet. Es folgen 3 weitere Elektroylseure in Langenhorn, Dörpum und Reußenköge.

Klimafreundliche Mobilität für alle: In Nordfriesland 100 % grün und regional produzierten Wasserstoff tanken. 

Doch wie kommt nun der Wind in den Tank? Der über die Elektrolyseure produzierte Wasserstoff wird zunächst in mobile Speichercontainer abgefüllt und per LKW zu den beiden Wasserstofftankstellen in Husum und Niebüll transportiert. Dort wird er nochmals höher verdichtet, um bei Bedarf die Brennstoffzellen-Busse, aber auch weitere Wasserstoff-LKWs oder -PKWs zu betanken. Der Tankvorgang benötigt nur wenige Minuten und eine Tankfüllung reicht aus, um mit einem Bus beispielsweise 350 km oder einem PKW 600 km zu fahren. Die Fahrzeuge werden so von Beginn an zu 100 % mit grünem Wasserstoff versorgt.  

„Klingt ganz einfach“, lacht André Steinau, Referent der Unternehmensleitung bei GP JOULE und verantwortlich für die Wasserstoffprojekte des Unternehmens. „Aber unsere Ingenieure und Techniker haben mehrere Jahre Entwicklungsarbeit geleistet, bis eFarm realisiert werden konnte.“ 2016 startete GP JOULE eine Machbarkeitsstudie mit Unterstützung des Landes Schleswig-Holstein. Inzwischen fährt Steinau einen wasserstoffbetriebenen Hyundai Nexo. „GP JOULE ist selbst Projektierer, Errichter und Betreiber von nachhaltigen Projekten. So können wir Innovationen direkt bei uns testen“.   

Die zwei Brennstoffzellen-Busse, die im Rahmen des Projektes angeschafft und im regionalen ÖPNV eingesetzt werden, sind nur der Anfang der neuen Wasserstoffmobilität in Nordfriesland: Da ca. 20 weitere Investoren an dem Projekt eFarm beteiligt sind, ist auch von deren Seite die Bereitschaft schon heute groß, in mehr als 100 Wasserstofffahrzeuge vom PKW bis hin zum LKW zu investieren und das grüne, regionale Wasserstoffangebot zu nutzen. „Damit entsteht endlich mal ein echter Zusammenhang und Nutzen zwischen der erneuerbaren Energieproduktion in der Region und dem lokalen Verbrauch an Energie. Dies ist entscheidend für die Akzeptanz und den Ausbau der Erneuerbaren Energieerzeugung und für die Schaffung von Arbeitsplätzen und langfristiger Wertschöpfung." sagt Ove Petersen.  

Spatenstich für den Bau der ersten Wasserstofftankstelle in Niebüll ist im Mai 2020.

Akzeptanz durch Bürgerbeteiligung und regionale Wertschöpfung. 

Damit die Klimaziele für Wärme, Industrie und Verkehr noch zu erreichen sind, ist es absolut notwendig, die Nutzung der Erneuerbaren Energien in allen Energie-Sektoren umzusetzen. Um diese allerdings für alle Sektoren verfügbar, speicherbar und damit nutzbar zu machen, muss ein großer Teil des Sonnen- und Windstroms in Zukunft in Wasserstoff umgewandelt werden. Für die Energie- und mithin die Mobilitätswende ist es zudem wichtig, dass diese von den Bürgern akzeptiert und mitgestaltet werden. Deshalb sind Akzeptanzmanagement und Partizipation auch Teil der eFarm-Strategie: Neben der Möglichkeit einer direkten Bürgerbeteiligung soll auch ein Dialogprozess initiiert werden, mit dem die nötige Akzeptanz samt ihrer Einflussgrößen systematisch in einem Monitoring erfasst wird.  

„Das e-Farm-Projekt ermöglicht eine komplette Wertschöpfungskette aus erneuerbaren Energien aufzubauen und sie für alle in der Region direkt nutzbar und erlebbar zu machen. Wir schaffen durch die e-Farm zusätzliche Wertschöpfung aus erneuerbaren Energien vor Ort, da wo sie erzeugt werden. Das stärkt die Akzeptanz für den weiteren Ausbau von Wind- und Sonnenstrom und zeigt, dass alle in der Region direkt von der Energiewende profitieren können.“ Ove Petersen, Gründer und CEO der GP JOULE GmbH 

Bei der Produktion von Wasserstoff fällt auch Abwärme an – und diese stellt das nordfriesische eFarm-Projekt für die lokale Wärmeversorgung bereit. Mit einer solchen Sektorenkopplung beweist das Verbundvorhaben, dass es den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen ernst nimmt.  

Nachhaltige Finanzierung durch regionale und überregionale Partner.  

Rund um das bisher als „Wasserstoff-Mobilitätsprojekt“ bekannte Verbundvorhaben wird die von GP JOULE initiierte eFarming GmbH & Co. KG gemeinsam mit Bürgerwind- und solarparks, Unternehmen sowie Stadtwerken ein modular erweiterbares Wasserstofferzeugungs- und vertriebsnetz in Nordfriesland aufbauen und betreiben.  

Das laufende Projekt eFarm wird im Rahmen der Förderrichtlinie „Nationales Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ mit insgesamt 8 Mio. Euro durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert.  

"Wenn der Zusammenhang zwischen erneuerbarer Energieerzeugung und -verbrauch hergestellt wird, die Vielfalt an Nutzen sichtbar wird, dann akzeptieren die Bürger den Wandel zur Energiewende. Hierfür wird eFarm eine direkte Bürgerbeteiligung ermöglichen."

Ove Petersen, GP JOULE-Mitgründer und Geschäftsführer

Akzeptanz durch Wertschöpfung

Indem die Bürger auf diesem Weg die Erneuerbaren Energien erfahren und an der regionalen Wertschöpfung partizipieren können, wird die für das Projekt nötige Akzeptanz geschaffen. Vor diesem Hintergrund ist neben einer direkten Bürgerbeteiligung ein projektbegleitendes, systematisches Akzeptanzmanagement mit den Bürgern vorgesehen, welches einen Dialogprozess initiiert, die Akzeptanz systematisch in einem Monitoring erfasst und ihre Einflussgrößen aufzeigt.

Johannes Brock
Projektmanager
Telefon: +49 4671 6074-632
E-Mail: j.brock@gp-joule.de

Cecilienkoog 16
25821 Reußenköge

Telefon: +49 4671 6074-0
Fax: +49 4671 6074-199
E-Mail: info@gp-joule.de

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